<< back to news index

Sommelier Magazin

4/2005

WEINPRÄSENTATION IN ALTEN GEMÄUERN DES RHEINGAUS

Spannende Weinverkostung des italienischen Kultweinguts Gagliole mit einer jahrgangsvertikalen des “Gagliole Rosso”.

In den alten Kellergewölben von “Geck’s Weine”, in Hochheim im Rheingau fand im April die Präsentation der Spitzenweine der Azienda Agricola “Antico Podere Gagliole” statt.
Gagliole, idyllisch in den Colli della Toscana Centrale auf etwa 500 Metern gelegen, ist eines der ältesten Weingüter der Toskana mit jahrhundertealter Weinbautradition und Erfahrung in der Olivenölbereitung. Gagliole besitzt rund 60 HektarLand, auf denen rund 1800 Olivebäume stehen. Etwa neun Hektar sind überwiegend mit Sangiovese bepflanzt, einige Partien Cabernet und Merlot sowie etwas Weißwein ergänzen das Sortiment. Maximal werden jährlich rund 30000 Flaschen erzeugt und es ist nicht geplant, die Produktion zu erhöhen. Der Inhaber, Dr. Thomas Bär, vom gleichnamigen Bankhaus in der Schweiz, und Benedetta Fracassi, die Gutsverwalterin, waren nach Hochheim gekommen um dem kritischen Publikum und der Fachpresse die Weine von Gagliole vorzustellen.

Eröffnet wurde die Degustation mit dem 2001 Gagliole Bianco, einer Cuvée aus Trebbiano, Malvasia und einem Hauch Chardonnay. Der wurde im Holz vergoren und in neuen Barriques ausgebaut. Der kräftige Vertreter verfügt über eine massive Struktur, die sich trotz des Holzes durch eine sehr mineralische Nase, eine glasklare Frucht und einen tollen Schmelz auszeichnet. Vom Gagliole Bianco wurden lediglich zwei Barrique-Fässer gefüllt, eines davon kommt über die Alpen nach Deutschland. Übrigens gibt es auf Gagliole keine Edelstahl. Die gesamte Vinifikation findet in eigens für Gagliole angefertigten konischen Gärbottiche aus Eichenholz und französischen Barriques statt.
Der erste Rotwein der Verkostung war der Chianti Classico “Rubiolo” aus 95 Prozent Sangiovese und fünf Prozent Merlot, der im Jahr 2003 erstmalig produziert wurde. Ein Chianti Classico wie er sein sollte, mit dominierender frischer Frucht und feinen Röstaromen.

Nach ein wenig Historie über das Weingut und die Weine, wurde eine kleine Vertikale des Hauptweines der Azienda, dem “Gagliole Rosso”, einer Cuvée aus 90 Prozent Sangiovese und zehn Prozent Cabernet Sauvignon, präsentiert. Der Ausbau erfolgt meist zu 70 Prozent in neuen und 30 Prozent in gebrauchten Barriques, mindestens 14 Monate ruht der Wein anschließend im Fass. Der Einsatz des neuen Holzes variiert abhängig vom Jahrgang. Der renommierte Oenologe Dr. Stefano Chioccioli, der für einige der wichtigsten toskanischen Gewächse verantwortlich ist, ist ein Kenner und Verfechter der Sangiovese-Traube. Er versteht es, wissenschaftliche Präzision, toskanische Tradition und Typizität des Sangiovese zu vereinen.

Die Vertikale begann mit einem 2002er Gagliole Rosso, der leichteste Wein in dieser Runde, der aufgrund der bescheidenen Voraussetzungen des Jahrgangs nur in sehr kleinen Mengen produziert wurde. Danach wurden Weine aus 2000 und 2001 und der gerade erst auf den Markt gekommene Jahrgang 2003 verkostet. In dieser Vertikalen konnte man die Entwicklung der Weine vergleichen und den roten Faden des Weinstils sowohl in der Nase als auch im Geschmack bestens nachvollziehen. Die Weine brillieren mit einer klaren Frucht von Waldhimbeeren und Cassis, Noten von nassem Laub, feuchter Erde sowie Leder und Mocca, untermalt von feinen Vanilletönen. Es sind keine konzentrierten, vom Holz überladene Neue-Welt-stilistiken, sondern elegante, fruchtige Gewächse mit sehr viel Tiefe und Aromenvielfalt.

Als Schmankerl gab es noch ein Muster vom “Pecchia”, einem reinsortigen Sangiovese aus der gleichnamigen Einzellage, der nur in den besten Jahren -1997, 1999 und 2003- produziert wird. Auch wenn sich der “Pecchia” noch sehr verschlossen zeigte, konnte man die Kraft und Eleganz erahnen, die in dem tintenfarbenen, kompakten Burschen schlummert. “Pecchia” bedeutet übrigens in einem alten, toskanischen Dialekt “Biene”. Vom Jahrgang 2003 wird es wohl nur rund 3000 Flaschen geben. Nach italienischen Antipasti und dem fruchtigen, intensiven Olivenöl von Gagliole gab es noch eine Kostprobe vom gutseigenen Grappa. Den Abschluss der Degustation bildeten die herrvorragenden Vini Santo aus den Jahren 1998 und 2000. Zwei wahrhaft “heilige” Tropfen.