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Vorarlberger Nachrichten
April 2008
Der Bärli-Wein aus der Toscana
Die Schweizer haben es bei der Weinerzeugung immer schon mit dem Entrappen gehabt, sogar bei Weißweinen, bei denen man anderswo großzügiger mit den Traubenstielen umgeht, weil sie zusätzliche Gerbsäure ins Spiel bringen, die bei manchem Wein durchaus gefragt ist. Besonders sorgfältig entrappte Blauburgunder nannte man früher in der Ostschweiz “Beerliweine". Uns schien da manchmal ein wenig der Biss zu fehlen.
Das Schweizer Ehepaar Thomas und Monika Bär produziert seit nunmehr 20 Jahren auf dem Weingut Antico Podere Gagliole bei Castellina in Chianti Rotweine und mittlerweile auch einen Weißwein (aus Procanico, Malvasia und Chardonnay), Grappa und ein Olio Extravergine (aus Frantoio, Leccino und Moraiolo-Oliven), die zum Besten zählen, was aus der Toskana kommt. Der Gagliole IGT 2005 aus 70 Prozent Sangiovese und 30 Prozent Cabernet wurde im “Wine Spectator" als superb bezeichnet und mit 96 Punkten bewertet. Im Internet findet man schweizerhaft präzise Angaben zu Rebstockdichte (5000 Reben pro Hektar), Boden (Nagelfluh), Maische-Standzeit (20-22 Tage), Alkoholgehalt (14 %), Gesamtextrakt (39,3 g/l) usw., außerdem wird auf die sorgfältige Entrappung hingewiesen. Sozusagen Bärliwein.
Einfacher als Nachlesen ist es, ein Glas zu probieren, auch wenn die optimale Trinkreife erst bei “vier bis sechs Jahren nach Markteinführung" liegen wird. Der Gagliole überzeugt vom ersten bis zum letzten Schluck. Ja, wenn die Supertoskaner so geschmeckt hätten.
Für Österreich gibt es übrigens derzeit keinen Importeur für Gagliole, aber wir können uns ja in der nahen Schweiz bei Globus oder Mövenpick versorgen. Der Preis liegt um 35 Euro.
In geeigneten Jahren gibt es einen noch besseren Wein vom Ehepaar Bär, dem Önologen Stefano Chioccioli und den Gutsverwaltern Bentivoglio, nämlich den puren Sangiovese “Pecchia" aus dem gleichnamigen Weinberg, der seit 100 Jahren als der Beste des Gutes gilt.
Kurt Bracharz |