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Weinwisser
12/1999
Gagliole: Hochgesteckte Ziele
Auf dem Weingut Gagliole in Castellina in Chianti, das dem Zürcher
Thomas Bär (Bank Julius Bär, Anwaltskanzlei Bär & Karrer) gehört,
träumt man von Weinen wie dem Solaia von Antinori und dem Le Pin
aus Pomerol. Die Ziele sind also hochgesteckt. Respekt zollt man
den Weinen, die auf den terrassierten Weinbergen wachsen, allerdings
schon heute: dem Weissen aus Trebbiano genauso wie dem roten Vino
da Tavola, der im wesentlichen aus Sangiovese besteht. Dank den
Terrassen, die unter Heimatschutz stehen, hat die Qualität des Terroirs
nie gelitten. Die Rebstöcke sind zum Teil sehr alt. Moderner Vinifikationsstil und
biologischer Weinbau: auf Gagliole passt’s.
1996 Gagliole bianco: In der Farbe intensives
Strohgelb. Reifes, fast honighaftes Bouquet, in der Nase einem reifen
Spanier nicht unähnlich., Melonen, viel Vanille, marmeladige Süsse.
Im Gaumen fett, Souplesse, Haselnusstöne, in seiner Aromatik sehr
reich, Karambolle und Manzanilla im Finale. Ein spezieller Wein,
der zuerst etwas überreif erscheint, sich dann aber an der Luft
sehr gut hält. 17/20 trinken - 2002.
1995 Vino da tavola Rosso, Gagliole: Sehr dichtes,
aber in sich reifendes Purpur. In der Nase verschlossenes, böckserhaftes
Bouquet. Im Gaumen fester Körper, viel Fleisch, auch hier ein gewisser
Böckserton, sich mit einem scharfen, spitzen Extrakt vermischend,
austrocknende Gerbstoffe. Ein Wein, der wahrscheinlich die malolaktische
Gärung nicht ganz beendet hat und jetzt blockiert ist. Zwei Stunden
dekantieren. 15/20 trinken -2006.
1996 Vino da Tavola Rosso, Gagliole: In der Farbe
mittleres Weinrot, feiner Wasserrand. Feingliedriges, zartes Bouquet,
feine Schoko- und Brombeertöne. Im Gaumen sehr feingliedrig, wiederum
eine blaubeerige Frucht, stoffig, sehr gute Balance, guter Rückkhalt,
sanft pelzig auf der Zunge. 16/20 trinken - 2006.
1997 Vino da Tavola Rosso, Gagliole. In der Farbe
sattes, dunkles Rubin-Purpur. In der Nase warmes, beeriges Bouquet
mit Schokoladenoten, Zedernduft, Kirschentöne, sehr intensiv. Im
Gaumen saftig, viel veloursartiger Stoff, wiederum eine schöne Kirschennote,
in der Adstringenz noch streng, leicht kernig, nach weiterer Flaschenreife
verlangend, langer Nachhall. Potentialbewertung: 17/20 2001-20012.
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