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Vendemmia 2026: ein Jahrgang der Entscheidungen

Hitze, Regen und hundert kleine Entscheidungen. Wie unser Kellermeister Giulio die Lese 2026 in Gagliole geführt hat.

Manche Lesen folgen dem Kalender. Andere verlangen, dass man zuhört. 2026 war eine davon.

Nach einem Sommer mit grosser Hitze hatten viele Beeren schon vor Beginn der Lese an der Rebe zu trocknen begonnen. Vom ersten Tag an lautete die Frage nicht nur, wann gelesen wird, sondern auch, wo zuerst.

Zuerst Castellina

Wir haben auf den Terrassen von Gagliole in Castellina begonnen. Hier hatte die Hitze ihre Spuren hinterlassen, und die Trauben mussten rasch herein. Was wir gelesen haben, war wenig an Menge, aber von bemerkenswerter Konzentration.

Von dort schickte Giulio das Team nach Panzano, in die Weinberge von La Massa, wo die gleiche Eile geboten war.

Der Regen

Mitten in der Lese fielen auf einmal rund 13 mm Regen. Innerhalb eines Tages zeigten sich in La Valle die ersten Anzeichen von Botrytis.

«Jeden Tag musste ich abwägen, welche Weinberge sofort gelesen werden mussten und welche noch weiter reifen konnten», erzählt Giulio. Am nächsten Morgen war das ganze Team in La Valle. Wir haben rechtzeitig gelesen und so die Trauben und ihre Qualität geschützt.

Die alten Reben und kühlere Nächte

Dann schlug das Wetter um. Die letzten Septembertage brachten kühlere Nächte und ruhige, klare Tage. Das Team las die alten Reben von Valletta Alta in Panzano, dem höchsten Teil des Weinguts, und die Trauben von Cappella dei Pesci. Der Cabernet Franc von dort gärt jetzt in der Amphore.

Der letzte Sangiovese kam aus Monticino in Castellina. Einige Trauben von den Terrassen in Gagliole, die Giulio hängen liess, weil sie noch nicht reif genug waren, wurden später gelesen und mit den besten Trauben aus Monticino in einem separaten Tank vereint. «Daraus könnte etwas Interessantes werden», sagt Giulio.

Die letzten Trauben des Jahres waren die weissen Sorten, Malvasia Bianca und Trebbiano. Sie ruhten eine Nacht im Kühlraum, bevor sie gepresst wurden.

Im Keller

Die Lese war vom ersten bis zum letzten Tag selektiv, mit sorgfältiger Auslese zuerst im Weinberg und dann noch einmal im Keller. Jetzt werden die Weine nach rund drei Wochen auf der Maische abgezogen und behutsam gepresst.

Weil die Tannine in diesem Jahr eine leichte Hand verlangten, arbeitet Giulio vor allem durch Infusion, mit nur gelegentlichem Umpumpen. Das Ziel: Frucht und Struktur des Jahrgangs herauszuarbeiten, ohne jede Härte.

Als Lucas und unser Berater Paolo Salvi die jungen Weine direkt aus dem Tank probierten, war das Urteil klar: Angesichts der Schwierigkeiten des Jahres ist die Qualität sehr gut.

Weniger, aber sehr gut

2026 wird in Gagliole ein kleinerer Jahrgang sein. Doch jede Entscheidung in diesem Herbst hatte dasselbe Ziel. In Giulios Worten:

«Mein Ziel bleibt, die bestmöglichen Trauben in den Keller zu bringen.»

Die Ersten, die den Jahrgang 2026 probieren, werden die Mitglieder unseres Wine Clubs sein.

Gleichzeitig beginnt in unseren Olivenhainen die Olivenernte. Bald folgt das neue Öl.